Dual Use und sicherheitsrelevante Forschung

 

Bei iGEM teilzunehmen bringt die Notwendigkeit sich mit den Themen Dual Use und sicherheitsrelevante Forschung, in diesem Fall auch Biosicherheit oder Biosecurity, zu befassen. iGEM hat das Potential, als Vorbild bei der Aufklärung, Bildung und der Bildung von Verantwortungsbewusstsein in diesen Bereichen zu dienen. Die Reichweite des größten und bedeutendsten Wettbewerbs für synthetische Biologie, bei dem junge Wissenschaftler aus Universitäten aus der ganzen Welt teilnehmen, ist enorm. Hinzu kommt, dass sämtliche Ergebnisse open source sind, das heißt das alle Ergebnisse aller Projekte dauerhaft im Internet verfügbar sind und von jederman aufgerufen werden können. Aus diesen Gründen ist es äußerst wichtig, dass sich alle Teams der Begriffe Dual Use und sicherheitsrelevante Forschung bewusst sind. Allerdings haben die meisten Teilnehmer, uns eingeschlossen, waren zu Beginn ihres Projekts nicht über diese Themen aufgeklärt und haben sich damit zum ersten Mal im Rahmen dieses Projekts auseinandergesetzt. Wir sind der Meinung, dass dies viel zu spät ist.

 

Dual Use Sign

 

Unsere Motivation uns mit den Themen Dual Use und sicherheitsrelevante Forschung auseinanderzusetzen begann mit unserem eigenen Projekt. Die Aufnahme von Metallionen durch Mikroorganismen ist ein essenzieller Teil unseres Projekts. Aus diesem Grund wollten wir zunächst mit Acidithiobacillus ferrooxidans arbeiten, einem Bakterium, welches bei der industriellen Kupferlaugung eingesetzt wird. Wir wollten diesen Prozess in den Modellorganismus Escherichia coli übertragen und so optimieren, dass diese Altmetall aus alter Elektronik von Mülldeponien recyclen können. Dies wäre zwar einerseits überaus nützlich, andererseits könnten die von uns geplanten E. coli Stämme auch dafür missbraucht werden, noch in Benutzung befindliche Elektronik zu zersetzen und damit enorme wirtschaftliche Schäden zu verursachen. Aus diesem Grund haben wir uns mit dem potentiellen Einfluss der Resultate unseres Projekts auseinandergesetzt und haben neben unserem Hauptziel elementare Metalle zurückzugewinnen über alternative Methoden nachgedacht, unsere Ergebnisse zu veröffentlichen. Dementsprechend haben wir auch unser Projekt angepasst und eine Lösung gefunden, unser Ziel zu erreichen, ohne dieses Missbrauchspotential zu bieten. Aber was passiert, wenn Wissenschaftler ihre Forschungsergebnisse veröffentlichen, ohne über mögliche Konsequenzen und Missbrauchmöglichkeiten nachzudenken? Dies muss nicht mal vorsätzlich geschehen, da Dual Use Anwendungsmöglichkeiten nicht immer auf den ersten Blick ersichtlich sein müssen.

 

In Deutschland unterliegt der Inhalt von wissenschaftlichen Veröffentlichungen keinen Regulierungen. Aus diesem Grund ist es umso wichtiger, ein Verantwortungsbewusstsein Auswirkungen der eigenen Publikationen bereits von Beginn der wissenschaftlichen Ausbildung an zu vermitteln. Wenn alle aufgeklärt sind und sich verantwortungsbewusst verhalten, können auch in Zukunft exzessive Regulierungen von der Politik als Antwort auf fehlende Selbstregulierung verhindert werden. Es ist von höchster Wichtigkeit, die Gesellschaft zu schützen und das öffentliche Vertrauen aufrechtzuerhalten, auf welches wir als Wissenschaftler und wissenschaftliche Institutionen angewiesen sind.

 

2014 wurde beschlossen, dass jede wissenschaftliche Einrichtung in Deutschland bis 2017 ein Komitee einrichten muss, welches sich mit Fragestellungen aus Dual Use, sicherheitsrelevanter Forschung und Bioethik befasst. Entsprechend wurde auch an unserer Universität ein solches Komitee eingerichtet. Wir wollen dieses Komitee unterstützen und Input geben, wie Studenten und Mitarbeiter der Universität bestmöglich in diesen Bereichen geschult werden können. Aus diesem Grund haben wir etablierte Wissenschaftler aus verschiedenen wissenschaftlichen Fakultäten unserer Universität befragt und damit herausgefunden, wie der aktuelle Stand an unserer Universität aussieht. Zusätzlich haben wir eine deutschlandweite Umfrage konzipiert, welche vom 21. Juni bis zum 10. Juli 2018 durchgeführt wurde und mit welcher wir eruiert haben, wie bekannt die Begriffe Dual Use und sicherheitsrelevante Forschung unter Studierenden und Wissenschaftlern ist und wie das Lehrangebot hierzu an den deutschen Hochschulen aussieht. Die Resultate zeigen hierbei deutlich, dass die Aufklärungsrate und das Angebot der Universitäten hierbei alles andere als zufriedenstellend sind.

 

Am 11. Juli 2018 haben wir in Kooperation mit der ortsansässigen biotechnologischen Studenteninitiative (btS) e.V. einen Vortragsabend mit anschließender Podiumsdiskussion zum Thema "Wo hört freie Wissenschaft auf? Chancen und Risiken der Selbstregulation der Forschung" organisiert. Wir konnten  Prof. Dr. Alfons Bora (Fakultät für Soziologie, Universität Bielefeld), Prof. Dr. Kathryn Nixdorff (Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina, Universität Darmstadt) und Tom Hobson (Bath University) für unsere Veranstaltung gewinnen. In diesem Rahmen haben auch wir einen Vortrag zum Thema "Biosecurity im Kontext von iGEM" vorbereitet und die Ergebnisse der deutschlandweiten Umfrage präsentiert.

 

Sie können sich den Vortrag hier ansehen:

https://www.youtube.com/watch?v=tcUmyb8MYOE

 

Um einen Überblick über die Aufklärungsrate zu den Themen Dual Use und sicherheitsrelevante Forschung weltweit zu erhalten und die Lage in verschiedenen Ländern vergleichen zu können, haben wir eine internationale Version der Umfrage erstellt, welche seit dem 18. Juli online ist. Wir freuen uns über jeden Teilnehmer! Die Daten, welche wir aus dieser Umfrage erhalten, werden für die Umsetzung unserer nächsten Projekte verwendet.

 

Hier geht es zu der Umfrage

 

Um anderen Wissenschaftlern und iGEM Teams zu helfen, über diese Themen aufzuklären, haben wir verschiedene Foliensätze für Präsentationen in den (Natur-)wissenschaften Biologie, Chemie, Physik und Informatik erstellt. Sie enthalten neben den Definitionen zu allen relevanten Begriffen einige fachspezifische Beispiele und verdeutlichen, weshalb es wichtig ist, möglichst viele Wissenschaftler aufzuklären und zu sensibilisieren. Außerdem sind weiterführende Quellen und Kontaktpersonen aufgeführt, um weitere Informationen auf einen Blick zu liefern im Zweifel Ansprechpartner für Fragen zu bieten. Die Folien sind am besten dafür geeignet, einen kurzen Überblick zu dem Thema zu bieten und sind sowohl in Deutsch als auch in Englisch verfügbar. Sie können die Folien hier herunterladen:

 

Aktuell arbeiten wir ein Konzept für ein Seminar aus, welches wir an unserer Universität etablieren wollen. Hierfür sollen Experten aus verschiedenen wissenschaftlichen Disziplinen und der Ethik gewonnen werden. Das Seminar hat zum Ziel, junge Wissenschaftler über die Themen Dual Use und sicherheitsrelevante Forschung aufzuklären und zu sensibilisieren. Wir planen den groben Ablauf des Seminars und wollen ebenfalls einen Block der Veranstaltung selbst gestalten.